Umsetzung des Artenschutzprogrammes für gefährdete Farn- und Blütenpflanzen

Das Artenschutzprogramm hat zum Ziel, in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohte und stark gefährdete Pflanzenarten (Rote-Liste-Kategorien 1 und 2) in ihrem Bestand langfristig zu sichern und zu fördern.

Dies geschieht über die Erhaltung ihrer Standorte, d. h. der für das Gedeihen der einzelnen Arten erforderlichen Umweltbedingungen.

In Baden-Württemberg sind von insgesamt ca. 2.000 Pflanzenarten 292 vom Artenschutzprogramm erfasst.

Die Aufgabe der BNL (des Umsetzters) besteht darin, betroffene Grundstückseigentümer und -bewirtschafter, Forstverwaltungen, Untere Naturschutzbehörden u. a. zu informieren und, wenn erforderlich, Maßnahmen in die Wege zu leiten. Die Maßnahmen können je nach Pflanze und Standort sehr unterschiedlicher Art sein:

Pflegearbeiten wie Entbuschung und Mahd, Extensivierung der Bewirtschaftung von Äckern und Wiesen (z. B. über Extensivierungsverträge), Wiederaufnahme extensiver Schafbeweidung, Erhaltung eines lichten Bestandsaufbaus im Wald u.v.a.

Nach der Durchführung von Maßnahmen ist eine weitere Kontrolle eventueller Gefährdungsfaktoren sowie der Entwicklung des Bestandes der gefährdeten Pflanzenart notwendig.

Als Beispiel werden 4 Pflanzenarten (auf Standorten im Ostablkreis und im Kreis Heidenheim) näher behandelt.

 

Lathyrus nissolia – Gras-Platterbse

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine wärmeliebende, ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatete Pflanze, die vor einigen tausend Jahren mit dem Ackerbau in unser Gebiet eingewandert ist. Sie ist in den letzten Jahrzehnten v. a. aufgrund der Intensivierung der Ackerbewirtschaftung in Baden-Württemberg stark zurückgegangen und gilt als stark gefährdet. Die meisten noch aktuellen Standorte hat sie im Bereich der Schwäbischen Alb.

 

Coeloglossum viride – Grüne Hohlzunge

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine kleine, unscheinbare Orchidee, die insbesondere auf Bergwiesen und -weiden vorkommt. Sie war in Baden-Württemberg noch nie häufig, ist in den letzten Jahrzehnten aber noch weit seltener geworden und gilt inzwischen als stark gefährdet. Gründe für den Rückgang sind Düngung, häufigere Mahd und Intensivierung der Beweidung, daneben Aufgabe der Bewirtschaftung.
Die meisten aktuellen Standorte der Pflanze liegen auf der Schwäbischen Alb auf oberflächlich entkalkten Böden.

 

 

Primula farinosa – Mehlprimel

 

 

 

 

 

 

 

Eine kleine, konkurrenzschwache Pflanze magerer, nasser, mooriger Wiesen und Weiden. Sie hat durch Intensivierung der Grünlandbewirtschaftung (einschließlich Entwässerung) in den letzten Jahren viele ihrer Standorte verloren und ist in Baden-Württemberg stark gefährdet. Die Art ist im württembergischen Allgäu noch etwas häufiger, sonst sehr selten. Im Regierungsbezirk Stuttgart hat sie nur noch zwei aktuelle Vorkommen im Kreis Heidenheim. Es sind die nördlichsten des Landes.

 

 

Senecio helenitis – Spatelblättriges Greiskraut

Eine Pflanze wechselfeuchter, magerer, oft mooriger Wiesen, die ihre Hauptverbreitung in Mitteleuropa hat. In den letzten Jahrzehnten ist sie aufgrund von Entwässerung, Düngung, mehrfacher Mahd oder Aufgabe der Mahd stark zurückgegangen und ist in Baden-Württemberg stark gefährdet. Im Regierungsbezirk Stuttgart gib es nur noch wenige Standorte.